Mo05. SepFakultät PTW / Antrittsvorlesung von Dr. Lotte Hartmann-KottekMontag, 05. September 2016, 19:00  Termin in Kalender eintragen

Antrittsvorlesung von Dr. Lotte Hartmann-Kottek

„GESTALTTHERAPIE – das Geheimnis ihrer Leuchtkraft und Wirksamkeit, die Vernetztheit mit den Psychotherapie-Nachbarn – und das Merkmalsmuster ihrer Sonderstellung.“

Die GESTALTTHERAPIE, das ehemalige „enfant terrible“ der Psychotherapieszene der 70er-Jahre, ist zwar inzwischen „erwachsen“ geworden, sie hat z.B. die damalige Überzeugung verändert, sie sei viel zu komplex, als dass sie einer wissenschaftlichen Erfassung zugänglich sein könne ohne ihre spezifische Unmittelbarkeit und Kreativität zu verlieren; – außerdem: sie hat seitdem in einer subtileren und reflektierteren Form ihre Lebendigkeit, lebensbejahende Unmittelbarkeit, Zentriertheit, Subjekt- Wert- und Sinnorientiertheit kultiviert und vertieft.

Im Vergleich zu anderen Psychotherapieschulen liegt die Gestalttherapie mit ihren Wirkstudien und Effektstärken weltweit an der Spitze (1,12- 1,42 ES). Vergleichsweise kommt die CBT (cognitive behavior therapy) auf 0,93 ES und der Durchschnitt der Psychotherapien auf 0.82 ES.

Je nachdem, mit welcher psychotherapeutischen Prägung Sie Ihren Weg begonnen haben, werden Ihnen andere Aspekte der Gestalttherapie irgendwie vertraut vorkommen.

Als psychodynamisch orientierter Kollege/in, werden Sie bei der Arbeit mit dem Unbewusstenund dem Konfliktlösungs-Verständnis das Erbe der frühen Psychoanalyse erkennen können. – Als Systemischer Therapeut dürften Sie sich an solchen Stellen zuhause fühlen, bei denen es um die Wechselwirkungen zwischen Teilen und dem Ganzen geht, um systemimmanenten Perspektivenwechsel, um Veränderungen des Bezugsystems etc, also um das gemeinsame Gedankengut der Gestaltpsychologie, auf die sich beide theoretisch beziehen.- Als Verhaltenstherapeut wird Ihnen der Hang der Gestalttherapeuten zum exakten Beobachten von Phänomenen und die experimentierfreudige Erfahrungs-orientiertheit vertraut vorkommen. – Als Humanistischer Psychotherapeut gefällt Ihnen die mitmenschliche, an Sinn und Werten ausgerichtete Beziehungsgestaltung und die Wieder-entdeckung des individuellen Subjektes. – Als Trauma-Therapeut begegnen Sie in der Gestalttherapie die Originalversion wesentlicher Bestände Ihres Handwerkzeugs wieder, nämlich die Stabilisierungs- und Distanzierungstechniken.

Mehr unter:
Hartmann- Kottek_Abstract_Gestalttherapie_2016 (pdf)