Sigmund Freud PrivatUniversität Wien
Entwicklungsplan 2011 bis 2015
1. Einleitung
Privatuniversitäten sind gegenüber staatlich finanzierten Universitäten in einer vollkommen anderen Situation: sie müssen Ihre Lehrpläne so entwickeln, dass sie von potentiellen Studierenden angenommen werden und trotzdem akademischen bzw. wissenschaftlichen Kriterien genügen, zugleich ist die Employability für Absolventen in besonderer Weise wichtig. Privatuniversitäten sind daher in verstärktem Masse der Konkurrenz ausgesetzt, alle Strukturmittel müssen selbst erwirtschaftet werden.
Information der Öffentlichkeit bis hin zur Werbung für die Studien -und Forschungsprodukte sind daher nicht nur notwendig sondern essentiell.
Die Studierenden an der SFU verstehen sich selbst oft als „Kunden“, die aufgrund der Direktbezahlung Anrecht auf optimale Dienstleistung im Lehr- wie im Forschungsbereich haben.
Lektoren derzeit: 80 plus 13 in Slowenien.
Verwaltungsstellen: 20.
Insbesondere für eine neue Privatuniversität, wie sie die SFU darstellt, die beim Punkt Zero begonnen hat und die auf keine bereits existierende Struktur zurückgreifen konnte, waren die ersten Jahre hart, weil kein Modell verfügbar war. Um eine entsprechende Entwicklung für die Zukunft zu gewährleisten, sind daher weitere konstante Diskussionen über Zukunftschancen sowie Stärken- und Schwächenanalysen notwendig.
Der Bildungsmarkt in Europa unterliegt einer starken Dynamik, nicht zuletzt ausgelöst durch die Bolognaübereinkünfte. Auch hier wird politisch ein gemeinsamer Markt angestrebt, die Umsetzung steckt aber nach wie vor in den Kinderschuhen (siehe etwa die unterschiedlichen ECTS-Bewertungen in den einzelnen Mitgliedsstaaten der EU).
In vielfacher Weise sind die meisten Privatuniversitäten Nischenanbieter, sollen dies auch bleiben, werden aber zunehmend auch Konkurrenten im Bereich von „großen“ Fächern. Dies bringt neue Fragestellungen mit sich, etwa in legistischer Hinsicht, in die die meisten Privatuniversitäten bisher nicht eingebunden sind. Die SFU ist beispielsweise an den Vorbereitungen der Novellierung des Psychologengesetzes beteiligt, als sie die erste Anbieterin eines Psychologiebakkaureats ist. Hier sind Gesetzesnovellierungen in Planung, die auf die neue Bolognastruktur legistisch antworten.
2. Wachstum
In den letzten vier Jahren haben in jedem Studienjahr im Durchschnitt 162 Studierende in den verschiedenen Fächern und Studienabschnitten ihr Studium begonnen und jährlich durchschnittlich 56 ihr Studium abgeschlossen.
Wenn man davon ausgeht, dass sich die Studienabschlüsse mehr als verdoppeln, dann kommen wir für die nächsten Jahre auf eine Quote von ca. 120 Abschlüssen pro Jahr. Der reale Zuwachs beträgt dann etwa 40 pro Jahr. Dies würde eine Ausweitung des akademischen Personals im Ausmaß von mindestens fünf weiteren Stellen und etwa zehn Lektoren zur Folge haben.
Nicht eingerechnet sind die Wachstumspotentiale in der Niederlassung Paris und etwaiger weiterer Niederlassungen in den nächsten fünf Jahren.
3. Standort Wien
- Psychotherapiewissenschaft
Nach der strukturellen Implementierung von Bakkkalaureat, Magisterstudium und Doktorat geht es nun um die Feinabstimmung aufgrund der Erfahrungen, die wir bisher sammeln konnten. Zunächst haben wir festgestellt, dass sich die Frage des Alters nicht negativ auf den Studienerfolg ausgewirkt hat. Junge Studierende sind sichtlich in der Lage, entsprechende Erfahrungen mit Patienten zu machen, die sie in ihrer Identitätsbildung als Psychotherapeuten unterstützen. Wir werden dem Gesetzgeber daher vorschlagen, die Altersgrenzen des Psychotherapiegesetzes zu überdenken und zu senken. Diesbezüglich stehen wir im Kontakt mit den dafür zuständigen Beamten im Gesundheitsministerium.
Die psychotherapeutische Ambulanz hat sich enorm entwickelt, sodass bereits Wartezeiten von mehreren Monaten auftreten. Die PatientInnen sind meist Grundschichtangehörige oder haben einen Migrationshintergrund. Etwa ein Drittel der PatientInnen werden mit einer psychiatrischen Diagnose von psychiatrischen Einrichtungen geschickt. Hier ist angedacht, und wir sind diesbezüglich mit der Wiener Gebietskrankenkasse im Gespräch, weitere Ambulanzen in unterversorgten Gebieten in Wien zu etablieren. Dies soll auch eine Möglichkeit für unsere Absolventen sein, in den Beruf einzusteigen, indem sie dort zeitbegrenzt arbeiten können.
Mittlerweile ist die Forschung im PatientInnenbereich angelaufen und wird entsprechend weiter ausgebaut. Ziel ist es, alle PatientInnen, die dazu bereit sind, in entsprechende Forschungsprojekte einzubinden. Eine Grundtestung für alle PatientInnen erfolgt nun bereits vor Beginn der Behandlung. Die englischsprachige Ambulanz hat vor sechs Monaten begonnen und wird weiter ausgebaut.
Im Studienbereich werden die einzelnen Lehrveranstaltungen einer kritischen Revision unterzogen. Teile der Lehrinhalte der Studiengänge Psychotherapiewissenschaft entsprechen den im österreichischen Psychotherapiegesetz vorgeschriebenen Inhalten. Dies ist deshalb notwendig, um AbsolventInnen die Möglichkeit zu eröffnen, um die Eintragung in die Liste der PsychotherapeutInnen des Gesundheitsministeriums anzusuchen.
Im Doktoratsprogramm gibt es eine konstante Diskussion Forschungsmethodik betreffend, die weitergeführt wird.
- Psychologie
2010 haben die ersten PsychologiestudentInnen ihr Bakkalaureat abgeschlossen. 2010 startete Gleichzeitig das Magisterstudium mit den beiden Schwerpunkten für klinische und Gesundheitspsychologie und Wirtschaftspsychologie. Dafür bedarf es einer Ausschreibung und einem Berufungsverfahren, welche im kommenden Arbeitsjahr durchzuführen sind.
Für den Zeitraum ab 2012 ist die Einreichung eines Doktoratsstudienganges für Psychologie zur Akkreditierung vorgesehen. Dafür soll aber der erste Durchgang des Magisterstudiums abgewartet werden. Damit verbunden sind die Entwicklung entsprechender Forschungsaktivitäten.
Prognose Wachstum Psychologie 2010 – 2015: 40 pro Jahr Bakk, 30 pro Jahr Mag, insgesamt 70 pro Jahr.
4. Vermögenskultur
Hier handelt es sich um einen Stiftungslehrstuhl für Forschungen, die sich mit Vermögensaspekten in materieller und immaterieller Hinsicht beschäftigen. Die Stiftung wird 2012 beendet sein, doch liegt bereits eine mündliche Zusage über eine Verlängerung vor. Der Lehrstuhlinhaber denkt an eine Entwicklung akademischer Weiterbildungen in diesem Bereich.
5. Sicherheitsforschung
2009 wurde an der SFU ein Institut für Sicherheitsforschung eingerichtet. Die SFU wurde dadurch Teil der europäischen Sicherheitsforschung.
BMVIT und FFG unterstützen mit namhaften Beträgen die Forschung an der SFU. Diese Forschungstätigkeit wird entsprechend der finanziellen Ressourcen weiter ausgebaut.
6. Weiterbildungsangebote
Weiterbildende Lehrgänge bestehen im Bereich Kinder- und Jugend-Psychotherapie und Biofeedback.
Diese Lehrgänge wurden bislang von 70 Teilnehmern besucht und werden weiter geführt.
In Vorbereitung ist ein Weiterbildungslehrgang für klinische Psychologie, zur Erlangung der Berufsbezeichnung „klinischer Psychologe“. Beginn soll Wintersemester 2012 sein.
7. Räumlichkeiten
Die SFU plant den Umzug in ein neues Gebäude im Studienjahr 2014/15. Verträge zur Errichtung eines neuen Gebäudes in zentraler Lage in Wien, neben der neuen Wirtschaftsuniversität, sind vorbereitet. Der Baubeginn ist für Sommer 2012 geplant.
8. Standort Paris
Die Akkreditierung sowohl durch die französischen Behörden als auch durch den österreichischen Akkreditierungsrat erfolgte im ersten Halbjahr 2009.
Derzeit findet die verwaltungstechnische Implementierungsphase statt, die unserer Erfahrung nach etwa zweieinhalb Jahre dauern wird.
Im Herbst 2009 startet das reguläre Studienprogramm mit dem Bakkalaureat in Psychotherapiewissenschaft. Für die nächsten Jahre dürfen wir eine ähnliche Dynamik wie in Wien erwarten.
Seit Mai 2009 gibt es ein eigenes Psychotherapeutengesetz in Frankreich, allerdings noch keine Durchführungsverordnung, die gegebenenfalls das Studium beeinflussen könnte. Derzeit steht unsere Niederlassung auf einer Liste der „psychologischen Universitäten“ in Frankreich. Vom französischen Gutachter wurden unsere Studienakzente begrüßt, die über die Psychoanalyse hinausgehen. Wie sich dies auf die französische Psychotherapielandschaft auswirken wird, ist derzeit noch nicht absehbar. Nichtsdestoweniger werden wir unsere Studiengänge entsprechend aufbauen und die Kooperationen mit vier klinischen Einrichtungen vertiefen.
9. Diversity management
Die SFU versteht sich als eine österreichische Privatuniversität mit internationalem Charakter. Dies drückt sich sowohl in der Lehre als auch im Ambulanzbetrieb aus. In der Lehre bemühen wir uns um die Hereinnahme von international renommierten Professoren als Gastprofessoren oder regelmäßigen Lektoren. Im Studienprogramm gibt es 24 Prozent ausländische Studierende und 76 Prozent inländische Studierende. Das Studienprogramm wird deutsch und englisch angeboten, in unserer Niederlassung Paris in Französisch. Die Herkunftsländer unserer ausländischen Studierenden in Wien, die hier regulär inskribiert haben, (also ohne Summerschoolteilnehmer), sind: Russland, Griechenland, Serbien, Bosnien, Kroatien, Slowenien, China, Russland, Philippinen, Japan, Deutschland, Polen, Albanien, Iran, USA, Mexiko, Schweiz, Türkei, Ukraine, Großbritannien, Indien, Lettland, Kasachstan.
In der Ambulanz werden Psychotherapien in vielen Sprachen durchgeführt (englisch, französisch, italienisch, japanisch, kroatisch, bosnisch, polnisch, schwedisch, serbisch, spanisch, portugiesisch/brasilianisch, ungarisch, slowakisch, russisch, persisch, koreanisch, rumänisch, tschechisch, griechisch, philippinisch). Geschätzt sind 20 – 25 Prozent der AmbulanzpatientInnen MigrantInnen der ersten Generation und ebenso viele MigrantInnen der zweiten Generation. Insgesamt sind also etwa 50 Prozent am Gesamtanteil der Ambulanz PatientInnen mit einem Migrationshintergrund.
Die SFU stellt sich dieser Situation mit unterschiedlichen Maßnahmen:
• Eigene Abteilung für Interkulturelle Psychotherapie (Leiter: Prof. Reichmayer)
• English program in der Lehre Homepage in Deutsch, Englisch und teilweise Russisch in
• Wien, Französisch in Paris.
• Veranstaltungen in verschiedenen Sprachen
• Berücksichtigung der ökonomischen Situation der ausländischen Studierenden (Stipendien)
• Betreuung der Studierenden in Visa-Angelegenheiten.
Im Rahmen der Sicherheitsforschung rechnen wir mit einem Weiterbildungsbedarf, dem an der SFU entsprochen werden kann bzw. wird. So wäre eine Abteilung für Migrationsforschung denkbar, die verschiedene psychische und sicherheitspolitische Forschungsansätze mit einbezieht. Nicht zuletzt durch unsere Ambulanz wurde hier ein beachtliches know how aufgebaut, das in einen solchen „Lehrstuhl“ einfließen könnte.
Die Ausbildung und Weiterbildung von LehrerInnen an höheren Schulen im Bereich der Psychologie und Philosphophie könnte ressourcenmäßig relativ leicht umgesetzt werden. Erste Gespräche mit den zuständigen Ministerien wurden diesbezüglich eingeleitet.
>> Teil 2: Entwicklungsplan 2011 bis 2015
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