Wiener Zeitschrift für Suchtforschung

Die Wiener Zeitschrift für Suchtforschung (WZfS) wurde von 1977 bis 2009 als wissenschaftliches Publikationsorgan des Ludwig Boltzmann-Instituts für Suchtforschung und des Anton Proksch-Institutes von Alfred Springer und Rudolf Mader herausgegeben. Der Entwurf des Covers der ersten Jahrgänge stammte von dem bildenden Künstler Marc Adrian. Für den Inhalt war anfangs Alfred Springer verantwortlich; später wurden die redaktionellen Aufgaben von einem Kollektiv wahrgenommen, das sich aus MitarbeiterInnen der beiden Institute zusammensetzte. Für einige Ausgaben der Zeitschrift wurden aus dem Redaktionskollektiv „Gastherausgeber“ nominiert (z. B. Irmgrad Eisenbach-Stangl, Wilhelm Burian, Senta Feselmayer). Da die Zeitschrift ein interdisziplinäres Organ sein sollte, wurde ein Beirat gebildet, der prominente Vertreter der klinischen Psychiatrie, Psychologie, Tiefenpsychologie und Soziologie umfasste. Später wurde ein internationaler Beirat ins Leben gerufen.

Sie ist im Volltext online verfügbar: Wiener Zeitschrift für Suchtforschung 1977-2009

Die interdisziplinäre Ausrichtung ergab sich aus der Personalstruktur der beiden Institute und aus der Zielsetzung für die Publikation: über die Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse hinaus sollte ein forschungsbasiertes Verständnis dafür gefördert werden, dass es sich bei der Thematik der Abhängigkeit nicht um ein ausschließlich Substanz- und substanzbezogenes Problemfeld handelt, sondern um eine problematische Dimension des Menschen, seiner gesellschaftlichen Verhältnisse und seines kulturellen Rahmens. Da die Zeitschrift bis auf die übliche geringe Förderung wissenschaftlicher Publikationen seitens des Wissenschaftsministeriums selbstfinanziert wurde, bestand keinerlei Abhängigkeit von Fachverbänden und politisch gebundenen Auftraggebern. Die Zeitschrift erschien überdies im gesamten Publikationszeitraum ohne Förderungen seitens der Pharamindustrie. Dadurch konnte ein kritischer und in mancher Hinsicht alternativer Zugang zu den Problembereichen umgesetzt werden, der sich auch tabuierter Themen annahm. Die WZfS war z. B. das erste wissenschaftliche Organ, das im deutschsprachigen Raum auf seriöse Weise die arzneimittelgestützten Behandlung Opiatabhängiger zur Diskussion stellte. Diese spezielle Ausrichtung wurde von den AkteurInnen in Suchtforschung, Drogentherapie und -politik durchwegs positiv bewertet.

Publiziert wurden Forschungsergebnisse zu Therapie, Prävention und Epidemiologie aus den beiden herausgebenden Instituten, wobei als Hauptautoren Alfred Springer, Rudolf Mader, Alfred Uhl, Irmgard Eisenbach-Stangl, Wilhelm Burian, Senta Feselmayer, Rudolf Marx und Wolfgang Beiglböck fungierten, sowie Beiträge renommierter AutorInnen aus österreichischen und europäischen (vorzugsweise deutschen und schweizerischen) Forschungs- und Therapiezentren. Es ist aus Platzgründen hier nicht möglich, die Beteiligung internationaler Autoren an den 95 Ausgaben der Zeitschrift ausreichend zu würdigen. Lediglich beispielhaft seien hier Ambros Uchtenhagen, Dieter Ladewig, Wilhelm Feuerlein, Wolfgang Schneider, Heino Stöver, Felix Tretter, Christoph Goos, Harry G. Levine, Ludger Tebartz van Elst und Peter Cohen erwähnt. Des Weiteren wurden Beiträge zu internationalen Veranstaltungen veröffentlicht (z. B. der Veranstaltung „Sucht im Film“, die 1983 in der evangelischen Akademie in Tutzing stattgefunden hatte, und des wissenschaftlichen Symposiums anlässlich der Schließung des LBI für Suchtforschung, 2009). Da Vertreter des LBI an der Erarbeitung des Wiener Drogenkonzeptes beteiligt waren, wurden die Herausgeber autorisiert, wichtige Beiträge, die dieser bahnbrechenden drogenpolitischen Entwicklung  zugrunde lagen, zu publizieren.

Ein weiterer besonderer Schwerpunkt der Publikation war die von Alfred Springer betreute Wiederveröffentlichung repräsentativer Texte aus der Geschichte der Erforschung und Behandlung der Abhängigkeitsphänomene und drogenbezogener literarischer Produkte. Da jeder Ausgabe der WZfS ein Reprint beigegeben wurde, entstand ein umfassender wissenschafts- und kulturhistorischer Reader.

Die Wiener Zeitschrift für Suchtforschung wird in den wichtigsten Fachbibliotheken des deutschsprachigen Raums geführt. Die 95 Einzelhefte der WZfS erschienen zwischen 1977 und 2009 in einer Auflage von rd. 500 Exemplaren.

Links:
rausch – Wiener Zeitschrift für Suchttherapie eine Weiterführung der Wiener Zeitschrift für Suchtforschung