Di08. MaiPTW | Jour fixe des Instituts für transkulturelle und historische Forschung: „net zur Nummer möcht i werdn“Dienstag, 08. Mai 2018, 18:30  Termin in Kalender eintragen

Sehr geehrte Studierende! Verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Das an der Sigmund Freud PrivatUniversität angesiedelte „Institut für transkulturelle und historische Forschung“ beschäftigt sich mit inter- und transkulturellen sowie postkolonialen Fragestellungen, mit mentalitätsgeschichtlichen, kulturwissenschaftlichen und philosophischen Grundlagen der Psychotherapiewissenschaft und der Geschichte der Psychotherapie.

Drei Mal im Semester findet ein Jour fixe statt, der ein Diskussionsforum für Gastvorträge, SFU-Projekte und studentische Forschung bieten soll. Der Jour fixe wendet sich an alle Interessierten, externe Besucherinnen und Besucher sind ausdrücklich willkommen. Die Veranstaltungen finden bei freiem Eintritt statt.

Im dritten Jour fixe in diesem Semester wird Anton Tantner einen Vortrag zur Kulturtechnik der Nummerierung halten:

„net zur Nummer möcht i werdn“
Grauen und Freiheitsversprechen einer unscheinbaren Kulturtechnik

Die oft pathetisch vorgetragene Forderung, als Mensch und nicht als Nummer behandelt zu werden, zieht sich durch die kulturellen Äußerungen des 20. Jahrhunderts: Ganz gleich ob es sich um die britische Hardrockformation Iron Maiden – „I am not a number, I am a free Man“ (The Prisoner, 1982) – oder den Austropoper Wolfgang Ambros – „A Mensch möcht i bleibn und net zur Nummer möcht i werdn.“ (1974) – handelt, das Unbehagen an der „verwalteten Welt“ (Adorno) entzündet sich auch daran, anstelle eines aus Buchstaben bestehenden Namens mit einer aus Zahlen bestehenden Nummer angerufen zu werden. Spätestens seit der Verwendung der Nummerierung von Menschen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern des NS-Staates wird diese als Teil des Prozesses einer Entmenschlichung wahrgenommen. Der erste Teil des Vortrags spürt in einem weiten historischen Rahmen den Debatten um die Nummerierung von Menschen nach und bemüht sich darum, jenseits der heute von den meisten intuitiv geteilten nummerierungsskeptischen Position auch jene Positionen darzustellen, die der Verwendung von Nummern für Subjekten positive Seiten abgewinnen konnten und können.

Der zweite Teil des Vortrags stellt erste Ergebnisse eines Forschungsprojekts vor, das sich dem Untersuchungsgebiet der Kulturtechnik der Nummerierung über einen gänzlich anderen Gegenstand annähert, nämlich der Nummerierung von Gemälden in den Inventaren und Katalogen der kaiserlichen Sammlungen in der Frühen Neuzeit: Es war zunächst keineswegs selbstverständlich, dass bei der Verzeichnung von Gemälden in Listen diese mittels einer Zahl eindeutig identifiziert wurden; als sich diese Praxis dann doch durchsetzte, wurden die Nummern im 18. Jahrhundert zuweilen ohne Rücksicht auf ästhetische Bedenken auf der Vorderseite der Gemälde angebracht. An manchen Gemälden des Kunsthistorischen Museums Wien ist diese Nummer teilweise bis heute sichtbar.

Termin: Dienstag 8. Mai 2018, 18:30 Uhr
Ort: Sigmund Freud PrivatUniversität, Freudplatz 1, 1020 Wien
Raum: 4014
Eintritt frei, externe BesucherInnen herzlich willkommen!
Für Studierende der PTW ist die Teilnahme als Forschungspunkt oder Window of Opportunity anrechenbar.

Auf Ihre Teilnahme freuen sich,

der Leiter des Institutes Univ.-Prof. Dr. Stephan Steiner und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Institut für transkulturelle und historische Forschung!


Zur Person:
Anton Tantner
ist Privatdozent für Neuere Geschichte an der Universität Wien und leitet derzeit das Forschungsprojekt „Die Inventare der kaiserlichen Kunstsammlungen: Praktiken der Nummerierung frühneuzeitlicher Gemälde“ (Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien, H-240478/2017). Homepage mit „Galerie der Hausnummern“ und umfassenden Publikationsverzeichnis: http://tantner.net