Orientiertsein – von Feldern, Hilfszeichen und Bezugswendungen oder was den Psychologen eigentlich interessieren sollte

Audio | Abschlussvortrag zum Karl Bühler Projekt mit Janette Friedrich am 27. Jänner 2022

Dr. Janette Friedrich über den Vortrag:

Ich möchte in meinem Abschlussvortrag einige Ergebnisse meiner Forschungen zum Psychologen und Sprachtheoretiker Karl Bühler vorstellen. Ausgezogen, um seine Psychologiekonzeption zu rekonstruieren und dazu die in den Archiven existierenden Manuskripte zu sichten, stieβ ich auf das, was man das lokale Feld des wissenschaftlichen Forschens nennen könnte: Forschungsprojekte, Vereinsprotokolle, Thesenpapiere, Briefe, Vorlesungsmanuskripte, Veranstaltungsprogramme, Zeitungsberichte – Spuren, die ein „präzise[s] Beschreiben im Modus der Gegenwärtigkeit“ (Gumbrecht) möglich machten. Also änderte ich die Orientierung und begab mich in das Feld, in dem Bühler seine Ideen entwickelte und austauschte, sich mit anderen konfrontierte und selbst positionierte. Doch was bringt so ein Exkurs in die damalige Gegenwart für die Wissenschaftsgeschichte? Bühler sagt in der Sprachtheorie, man spricht immer in einem bestimmten Koordinatensystem zum anderen, es gibt immer (!) eine «zufällige oder absichtlich von mir hergestellte Raumorientierung» (S.113). Nimmt man dies ernst, dann stellt sich die Frage nach dem Ordnungssystem, in dem Bühler seine Ideen zur Psychologie des Denkens, der Sprache, des Ausdrucks und des Lebens entwickelte; also die Frage nach der von ihm absichtlich hergestellten Orientierung im Feld der Psychologie. Dass diese Orientierung über Begriffe erfolgte, ist wenig verwunderlich. Welche dies sind und auf was sie «zeigen», will ich an einem Beispiel – Bühlers Thematisierung des Lebensbegriffs – deutlich machen.

Kontakt für Rückfragen:

Dr. Janette Friedrich
Lise-Meitner-Forschungsstelle
Fakultät für Psychologie | Sigmund Freud PrivatUniversität
Freudplatz 1, A-1020 Wien
Janette.friedrich@sfu.ac.at


Weitere Ergebnisse des Forschungsprojektes: